Komplexes Umfeld. Klare Entscheidungen.
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Märkte im 2. Halbjahr 2024 - These 3: Die USA werden nach der Wahl von Moodys herabgestuft und verlieren ihr letztes AAA-Rating

13.06.2024

Tresides Thesen für das zweite Halbjahr 2024 - Meistens kommt es anders, wenn man denkt -

Aktuell verfügt die USA noch über ein AAA-Rating. Bereits 2011 wurde die USA von S&P im Zuge des Erreichens der Schuldenobergrenze und der damit einhergehenden kurzzeitigen Zahlungsunfähigkeit auf AA+ herabgestuft. Standard & Poor’s: "The political brinksmanship of recent months highlights what we see as America's governance and policymaking becoming less stable, less effective, and less predictable than what we previously believed." Im August 2023 folgte dann die Rating-Agentur Fitch, welche ebenfalls den USA das AAA-Rating entzog. Ende September 2023 änderte Moodys seinen Ausblick für das US-Rating von stabil auf negativ und deutet bereits eine Verschlechterung der Kreditqualität an. Was sind die Gründe für eine mögliche Herabstufung und welche Auswirkung könnte dies haben?


Das Budgetdefizit hat sich insbesondere während der Coronakrise nochmals deutlich ausgeweitet und befindet sich nach wie vor oberhalb von 6% des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (zum Vergleich: die Maastrichtkriterien schreiben ein maximales Defizit von 3% vor; die deutsche Schuldenbremse sogar nur 0,35% der jährliche Wirtschaftsleistung). Abhängig davon, ob die von Trump vorgenommenen Steuersenkungen 2025 auslaufen, wird sich das Defizit bis 2030 zwischen 5% und 8% bewegen (linke Graphik). Die Zinsbelastung stieg bereits heute auf über 1 Billion USD p.a. an und wird nach Prognosen von Goldman Sachs Investment Research 2030 mehr als 4% des Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Ebenso ist mit einer Zunahme der Verschuldungsquote von 20% zu rechnen (rechte Graphik):

Abbildung: Entwicklung des Budgetdefizits und der Zinslast in den USA; Stand: 03.10.2023 | Quelle: Goldman Sachs Global Investment Research
Abbildung: Entwicklung des Budgetdefizits und der Zinslast in den USA; Stand: 03.10.2023 | Quelle: Goldman Sachs Global Investment Research

Eine Herabstufung hätte weitreichende Folgen, da US-Treasuries als sicherer Hafen angesehen werden und auch als Sicherheitshinterlegung (Collateral) bei zahlreichen Investmentprodukten dienen. Darüber hinaus gibt es einige Investoren, die regulatorisch dazu verpflichtet sind lediglich in Anlagen mit AAA-Rating zu investieren. Inwieweit mögliche Verkäufe den Zinsmarkt belasten, bleibt abzuwarten. Wir gehen in diesem Szenario jedoch davon aus, dass die Volatilität deutlich ansteigen sollte und Alternativen wie z.B. Gold aber auch Kryptowährungen profitieren sollten. Zudem ist davon auszugehen, dass das sogenannte Term Premium (Zinsrisikoaufschlag für längere Anleihelaufzeiten) ansteigen sollte.


Was wir in Bezug auf die Bewertungsunterschiede am europäischen und amerikanischen Aktienmarkt erwarten, diskutieren wir in These 4: „Die Bewertungsdiskrepanz zwischen Europa und den USA verkleinert sich“.

Wir freuen uns über Diskussionen und stehen für jegliche Rückfragen zur Verfügung. Kommen Sie gerne auf uns zu!