Komplexes Umfeld. Klare Entscheidungen.
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Märkte im 2. Halbjahr 2024 - These 2: Die strukturelle Inflation in den USA wird höher sein als in den 2010er Jahren

10.06.2024

Tresides Thesen für das zweite Halbjahr 2024 - Meistens kommt es anders, wenn man denkt -

Wir gehen davon aus, dass die durchschnittliche Inflation in den USA höher liegen wird, als in der vergangenen Dekade. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die extrem expansive Fiskalpolitik, welche unabhängig vom Wahlausgang im November mit hoher Wahrscheinlichkeit bestehen bleiben dürfte:

Abbildung 1: US-Fiskaldefizit unterteilt nach den US-Präsidenten; Stand: 31.05.2024 | Quelle: BofA Global Research
Abbildung 1: US-Fiskaldefizit unterteilt nach den US-Präsidenten; Stand: 31.05.2024 | Quelle: BofA Global Research

Diese wird auch notwendig sein, um die globalen Herausforderungen anzugehen. Ausgelöst durch eine immer unsicherere Geopolitik dürfte der Deglobalisierungstrend weitergehen. Insbesondere die USA versucht dies durch protektionistische Maßnahmen (Stichwort: Zölle auf chinesische Importe) und „Nearshoring“ (Reduzierung des Risikos von Lieferkettenproblemen durch Produktionsverlagerungen) voranzutreiben. Dabei werden höhere (Lohn-) Kosten akzeptiert, um unabhängiger von Energiequellen und Lieferketten zu werden. Zudem werden immense Ausgaben zur Energiewende notwendig werden, die zur Bekämpfung des Klimawandels erforderlich sind. Die Alternative wären deutlich höhere Preise für Agrargüter und Versicherungskosten in Folge der Klimakatastrophen. Gleichzeitig dürfte der Lohndruck durch den Arbeits- und Fachkräftemangel höher bleiben als in der Vergangenheit. Dies könnte zum Teil durch eine vermehrte Immigration gemindert werden, was allerdings politisch schwer durchsetzbar erscheint. Auf der anderen Seite sind der FED durch die Schuldentragfähigkeit der USA die Hände gebunden die Inflation stärker zu bekämpfen. Bereits jetzt liegt die US-Staatsverschuldung mit knapp 35 Billionen USD schon über 120% der jährlichen Wirtschaftsleistung. Dies dürfte zur Folge haben, dass die neutrale Rate der FED (Leitzins, der weder restriktiv und expansiv wirken soll) höher liegen sollte, als in der Vergangenheit. Gleichzeitig erscheint ein Zinssenkungszyklus mit einem Zinsniveau (Terminal Rate) unterhalb der neutralen Rate eher unwahrscheinlich.

Abbildung 4: Veränderung der Neutral & Terminal rate vor und nach Corona; Quelle: BofA Global Research, Bureau of Economic Analysis, Federal Reserve Board; SEP= Summary of Economic Projections
Abbildung 4: Veränderung der Neutral & Terminal rate vor und nach Corona; Quelle: BofA Global Research, Bureau of Economic Analysis, Federal Reserve Board; SEP= Summary of Economic Projections

Warum das hohe Staatsdefizit gepaart mit einem deutlich höheren Zinsumfeld mittelfristig ein Problem werden könnte, erläutern wir in These 3: „Die USA werden nach der Wahl von Moodys herabgestuft und verlieren ihr letztes AAA-Rating“.
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