Komplexes Umfeld. Klare Entscheidungen.
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Never fight the OPEC!

09.05.2023

Nicht ganz zu Unrecht hat sich die OPEC bzw. die OPEC+ (mit Russland) den Ruf als „Zentralbank des Öls“ erworben. So ist die OPEC+ insgesamt für ca. 40% der weltweiten Ölproduktion verantwortlich. Insbesondere seit Covid hat die solide Förderpolitik zu einer Stabilisierung der Preise geführt und das Ansehen der OPEC deutlich erhöht.

Dabei hatte die OPEC nach der (v.a. von den USA) heftig kritisierten Kürzung um ca. 2 mbl/d (Millionen Barrel pro Tag) Ende letzten Jahres beabsichtigt, die Förderung dieses Jahr unverändert zu belassen. Doch eine Bankenkrise, Rezessionssorgen und einen deutlich tieferen Ölpreis später, kam es am Sonntag, den 2. April 2023 überraschend zur Ankündigung einer Förderkürzung um ca. 1,6 mbl/d (Millionen Barrel pro Tag) ab Mai 2023.
Kritiker bemängeln, dass die OPEC den Beschluss auch während der in der Folgewoche angesetzten „normalen“ Sitzung hätte fällen können, im Anschluss an eine bereits im Vorfeld vorbereitende Kommunikation einer Förderanpassung, die einer „Zentralbank“ würdig gewesen wäre. Kritiker der „Geld-Zentralbanken“ können dem entgegenhalten, dass zum Beispiel die EZB bzw. ihre Präsidentin zwar viel und nett redet, aber so heillos hinter der Kurve herhinkt, dass ein entschlossenes, nicht kommuniziertes Verhalten zu bevorzugen sei.

Trotzdem bleibt die Frage nach dem „Warum“?

Der Ölmarkt zeigte für die erste Jahreshälfte 2023 noch einen globalen Überschuss an, für das zweite Halbjahr 2023 jedoch ein leichtes Defizit. Das Mantra der OPEC beinhaltete bis dato, dass ihr Fokus auf der Versorgung des physischen Markts liege. Eine Steuerung des Preises bzw. des Terminmarkts sei hingegen nicht ihr Hauptaugenmerk.

Die negative Interpretation der Förderkürzung wäre also, dass die Nachfrage in Wirklichkeit viel schlimmer aussieht bzw. prognostiziert wird, als dies bislang vom Markt unterstellt wurde.

Der Ölkomplex war allerdings in der „neuen Bankenkrise 2023“ mit am stärksten von Preisrückgängen betroffen. Damit wäre eine andere Lesart, dass die OPEC diesmal nicht zuwarten wollte bis der Preis wieder unter 50 USD/bl fällt, sondern diesem Szenario pro-aktiv vorbeugen wollte. Damit signalisiert sie auch einigen Spekulanten:

Never fight the OPEC!


Der „OPEC-Put“ gegen fallende Preise hat also gewirkt.

Damit kommen wir zum zweiten Put, dem „SPR-Put“. Dieser hat nämlich bislang nicht gegriffen und u.U. den „OPEC-Put“ mit ausgelöst. US-Präsident Biden hatte nämlich vor den letztjährigen „Mid-Term Elections“, also den Zwischenwahlen, über eine großzügige Freigabe der strategischen Reserve (Strategic Petroleum Reserve, SPR) versucht, den Preis an der Zapfsäule zu drücken. Inzwischen war Öl auf ein niedrigeres Preisniveau gefallen, das ursprünglich als Zielmarke angegeben worden war, um diese Reserve wieder aufzufüllen und damit den Preis zu unterstützen („SPR-Put“). Allerdings wurden nun seitens der Verantwortlichen „technische Gründe“ angeführt, warum dies bis Jahresende nicht möglich sei.

Wenn man jetzt grob überschlägt, dass eine vollständige Auffüllung 300-400 mbl benötigt hätte, und gleichzeitig die Kürzung der OPEC von ca. 1,6 mbl/d ab Mai bis Jahresende hochrechnet, kommt man auf ganz grob 380 mbl. Man könnte also auch mutmaßen, dass ein Gedanke der OPEC war: „Wenn ihr nicht auffüllt und das Volumen aus dem Markt nehmt, dann machen wir das eben“. Chance für günstiges Auffüllen verpasst, oder:

Never fight the OPEC!


Unser Modell hat dementsprechend, wie schon in Q1 2023, auch für das nächste Quartal eine ordentliche Energiequote vorgesehen.

Im 1. Kalenderquartal 2023 verlor der Tresides Commodity One -3,7%, während der breite BCOM Index -6,5% einbüßte.

Die Ergebnisse für das 1. Quartal 2023 unseres Tresides Commodity One sowie die Neuallokation für das 2. Quartal 2023 finden Sie im „Quarterly Review“.


Das "Quarterly Review" stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zur Verfügung und/oder nehmen Sie auch auf unseren Rohstoff-Mailverteiler auf, kontaktieren Sie uns einfach mit dem untenstehenden Formular oder unter der Rufnummer +49 711 33 503 500.

Never fight the OPEC!

Krauß, Michael

Fondsmanagement- Partner, Senior Fondsmanager

Never fight the OPEC!

Bachofer, Sandra

Fondsmanagement- Fondsmanagerin

 
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