Crypto
Alternative Anlage. Digitale Assets.

„Masters of the Universe“ - das Crypto-Universum ist mehr als nur Bitcoin

12.11.2021

Erster Teil unserer mehrteiligen Serie zu Crypto Assets

2009 kam es zum Big Bang. Unbekannte Personen unter dem Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ führten mit der Erfindung des Bitcoins den Urknall herbei - die Entstehung eines sich immer weiter ausdehnenden Crypto-Universums, das aus Digitalen Assets besteht.

 Die Crypto-Materie basiert auf der Blockchain-Technologie, die eine weit über die allseits bekannte Kryptowährung Bitcoin hinausgehende Vielzahl an Anwendungs- und (damit einhergehenden) Investitionsmöglichkeiten bietet. Die Webpage „Coinmarketcap“ registriert mittlerweile über 7000 Cryptos und eine gesamte Marktkapitalisierung von über 2,5 Billionen Euro. Die Top-10 Coins vereinen fast 80% der Marktkapitalisierung auf sich, wobei Bitcoin mit ca. 44% deutlich dominiert. So verwundert es nicht, dass Cryptos aktuell insbesondere auf dem Radar institutioneller Investoren angekommen sind, wenngleich die breite Anlegerschafft (noch) nicht investiert ist. Gut möglich, dass sich Cryptos ähnlich wie Gold zu einem festen Bestandteil in großen Portfolios entwickeln wird - denn auch bei Gold war um die Jahrtausendwende noch Pionierarbeit gefragt, als spätere Gründer von Tresides für die Auflage des ersten Fonds mit physischem Gold verantwortlich waren.

Währung
 

Und wie findet man sich im Crypto-Space nun zurecht? Eine begriffliche und logische Einordnung der Cryptos kann anhand charakteristischer Merkmale nach dem folgenden Schema erfolgen.

Übersicht Digitale Assets

Einigen Digitalen Assets, wie beispielsweise Bitcoin, wird auf der Blockchain eine Art Zahlungsfunktion zuteil, da sie als Recheneinheit für Zahlungen zwischen Netzwerkmitgliedern transferiert werden können. Sie können unter dem Begriff Kryptowährung oder Currency Token der Kategorie währungsähnlicher Token zugeordnet werden. Unter dem Begriff Token kann man sich eine Art Ticket vorstellen, das den Zugang zu einer Blockchain oder gewissen Blockchain-Funktionen gewährt.
Aber was genau spielt sich auf der Blockchain ab? Generell ermöglicht die Blockchain-Technologie eine Form moderner Kommunikation. Nutzer können direkt innerhalb eines globalen Netzwerks interagieren, um beispielsweise Digitale Assets ohne zwischengeschaltete Instanz zu transferieren. Dafür protokolliert die Blockchain alle innerhalb eines Netzwerks getätigten Transaktionen in Datenblöcken chronologisch, unwiderruflich und synchron auf allen Nodes - den Rechnern des Netzwerks. Um neue Transaktionen wird das Blockchain-Protokoll erweitert, indem neue Datenblöcke geschaffen und der bestehenden Blockchain hinzugefügt werden. Dabei stellt ein individueller, meist rechenintensiver Konsensmechanismus sicher, dass zwischen allen Nodes Konsens über den Stand des Blockchain-Protokolls herrscht. Im Detail sieht das bspw. bei der Bitcoin-Blockchain wie folgt aus: Auf dieser Blockchain wird der Konsens mittels Proof of Work erlangt, indem sogenannte Miner um die Lösung eines rechenintensiven Problems konkurrieren. Hierbei wird dem schnellsten Miner das Recht zuteil, die Blockchain um einen weiteren Block zu erweitern - und damit einhergehend der Anspruch auf den Block-Reward, der aus Bitcoins besteht, die während der Erweiterung der Blockchain um einen Block emittierten wurden. Die Bitcoin-Blockchain wird im Schnitt alle zehn Minuten um einen Block erweitert, was eine Transaktionsgeschwindigkeit von etwa 7 Transaktionen pro Sekunde ermöglicht. Basierend auf der Überzeugung einiger Netzwerkmitglieder der Bitcoin-Blockchain einen Mehrwert aus einer höheren Transaktionsgeschwindigkeit schaffen zu können, entstand die Kryptowährung Bitcoin Cash durch einen sogenannten Hard Fork. Hard Forks entsprechen einer Weggabelung - einer Abänderung des ursprünglichen Netzwerkcodes, die in der Schaffung einer neuen Blockchain durch Abspaltung von der alten resultiert. Für die Bitcoin Cash-Blockchain wurde der Netzwerkcode so angepasst, dass sie alle zweieinhalb Minuten um einen Block erweitert wird, wodurch eine höhere Transaktionsgeschwindigkeit gegenüber der Bitcoin-Blockchain ermöglicht wird. Ein weiterer währungsähnlicher Token, der die Wahrung der Anonymität der Netzwerkteilnehmer priorisiert, ist der Privacy Currency Token Monero. Eine Reihe komplexer Verschlüsselungen stellen sicher, dass Nutzer anonym bleiben und Transaktionen nicht auf sie zurückgeführt werden können.

Blockchain Hard Fork

Netzwerkcodes können also auf die Bedürfnisse der Netzwerkteilnehmer angepasst oder neu aufgesetzt werden, wodurch Cryptos für unterschiedlichste Ansprüche generiert werden können und mehr als „nur“ währungsähnliche Funktionen erfüllen. Besonders innovativ sind die Möglichkeiten, die sich durch sogenannte Plattform Token eröffnen.
Allen voran etablierte sich das Netzwerk Ethereum durch die Implementierung von Smart Contracts zu einer Art Plattform für eine Vielzahl weiterer Anwendungsmöglichkeiten, für welche der Currency Token der Ethereum-Blockchain Ether als „Treibstoff“ verwendet wird. Das Ethereum-Universum umfasst mittlerweile tausende Crypto-Token, sowie eine Vielzahl dezentraler Applikationen, kurz DApps. Diese Apps ermöglichen Investoren die einfache Nutzung verschiedene dezentraler Blockchain Use Cases. Wie auf der Bitcoin-Blockchain wird auch bei Ethereum der Netzwerkkonsens mittels Proof of Work gesichert, wenngleich sich bei Ethereum dieser Mechanismus momentan im Wandel befindet.

Denn neben dem Proof of Work gibt es noch weitere Möglichkeiten, den Konsens über die Richtigkeit des Protokolls innerhalb eines Netzwerks zu gewährleisten. Ein weniger rechenintensiver Mechanismus ist Proof of Stake. Während bei Proof of Work die Gesamtheit der Miner um die Erstellung des nächsten Blocks konkurriert - und dabei jeder der Miner eine hohe Rechenleistung einsetzt - wird beim Proof of Stake Mechanismus ein Netzwerkmitglied ausgewählt, das die Blockchain durch die Erbringung von Rechenleistung um einen Block erweitern darf und den Block-Reward erhält. Die Wahrscheinlichkeit, als Miner ausgewählt zu werden, steigt mit der Anzahl der sich im Besitz des Miners befindlichen Coins.

Währung
 

Solana wird aktuell als einer der größten Konkurrenten von Ethereum gehandelt, da es durch eine schnelle und günstige Transaktionsabwicklung besticht und damit eine optimale Plattform für die Erstellung von DApps bietet. Dafür greift Solana auf eine abgewandelte Form des Proof of Stake Konsensmechanismus zurück, die eine Transaktionsgeschwindigkeit von bis zu 710.000 Transaktionen pro Sekunde, der 20.000-fachen Transaktionsgeschwindigkeit von Visa, ermöglicht.
Wie Solana ist auch Tezos ein Plattform Token, das den Proof of Stake Mechanismus zur Sicherstellung des Netzwerkkonsenses nutzt. Allerdings basiert die Tezos-Blockchain auf einem Self-Amending Protocol und einer On-Chain Governance. Das bedeutet, dass Nodes Verbesserungsvorschläge vortragen können und auf der Blockchain darüber abgestimmt wird, ob eine Änderung im Code erfolgt. Dadurch werden (durch Unstimmigkeiten zwischen den Nodes induzierte) Hard Forks, wie auf den Off-Chain Governance Blockchains Bitcoin oder Ethereum überflüssig, was zu einer ständigen Weiterentwicklung des Netzwerkcodes führt.
Auf der Blockchain der Plattform Token können mittels Asset-Referenced Token Anrechte an digitalen oder realwirtschaftlichen Gütern repräsentiert werden. Werden dabei fungible Assets wie Währungen oder Rohstoffe abgebildet, spricht man von Stablecoins. Ein prominentes Beispiel ist der an den US-Dollar gebundene Stablecoin Tether. Auch erste Zentralbanken haben bereits eigene Blockchain-basierte Währungen, die Central Bank Digital Currencies (CBDCs), etabliert. Eigentumsrechte an einzigartigen Gütern können mittels Non-Fungible Tokens, kurz NFTs, erworben werden. Bei der Auswahl des unterliegenden Guts sind der Fantasie nur wenig Grenzen gesetzt, wobei aktuell besonders NFTs digitaler Werke bekannter Künstler einen großen Hype erfahren. Ein prominentes Beispiel ist das digitale Kunstwerk „Everydays: The First 5000 Days“ von Beeple, welches 2021 für 69 Mio. US-Dollar den Besitzer wechselte. Weitere Projekte arbeiten zum Beispiel an der Tokenisierung von Luxusgütern und Immobilen oder auch Blockchain-basierten Spielen mit handelbaren einzigartigen Gegenständen.
Auch Utility Token basieren auf Plattform Token und lassen sich etwa mit Eintrittstickets oder Gutscheinen vergleichen, denn sie gewähren dem Eigentümer Zugriffsrechte auf Produkte oder Dienstleitungen, stiften somit also einen unmittelbaren „Nutzen“ für den Eigentümer.

Neben ihrem Blockchain-basierten Ansatz haben Digitale Assets vor allem eines gemeinsam - das ihnen am Markt entgegengebrachte Interesse steigt immer weiter an. Doch auf welche Kennzahlen kann man sich berufen, um die vielversprechendsten Cryptos für das Portfolio zu identifizieren? Die Tokenomics können als digitales Pendant zur Geldpolitik der Zentralbanken verstanden werden und geben unter Anderem Aufschluss darüber, wie ein Crypto geschaffen und verwaltet wird, welcher Konsensmechanismus auf der Blockchain herrscht, wie es um die Knappheit des Tokens steht und welche Maßnahmen zur Preisstabilität umgesetzt sind. Darüber hinaus spielen Liquidität oder Börsenlistings, wie auch bei konventionellen Assets, eine erhebliche Rolle für den Wert eines Cryptos. Schlussendlich wird auch im Bereich der Digitalen Assets eine intensive Recherche und fachliches Know-How belohnt, wenn es um die richtige Einschätzung qualitativer Faktoren der Cryptos geht.

Tresides Crypto Universum
 

Doch wie kann man Digitale Assets handeln, um an der Wertentwicklung von Bitcoins und anderen Cryptos zu profitieren?
Bevor 2010 in Japan die erste Bitcoinbörse mit dem späteren Namen Mt.Gox gegründet wurde, konnte Bitcoin lediglich über die Bitcoin-Blockchain Peer-to-Peer getauscht werden. Es galt die Devise: Überweisung oder Bargeld gegen Bitcoin. Dies war nicht nur umständlich, sondern auch intransparent und teilweise riskant, denn man musste darauf vertrauen, dass der Vertragspartner jeweils seinen Teil des Handels erfüllen würde.
Durch die Bitcoinbörse wurde der Handel mit Bitcoin wesentlich transparenter, liquider und einfacher, was in einer Konzentration von 70% des Bitcoinhandels auf dieser Börse resultierte. Das Kontrahentenrisiko wurde jedoch damit nicht ausgeschaltet, sondern lediglich durch einen einzigen Point of Failure ersetzt - die Börse Mt.Gox selbst. Diese nutzte ein eigenes Bitcoin Wallet auf welches die User ihre Coins einzahlen und abheben konnten. Im Juni 2011 wurde der erste erfolgreiche Diebstahl von Bitcoins vom Wallet der Börse bekannt. Die Börse führte als neue Sicherheitsmaßnahme ein, dass Bitcoins der Nutzer von nun an auf sogenannte Hot Wallets und Cold Wallets aufgeteilt wurden. Die Bitcoins, welche auf Cold Wallets abgelegt werden, sind dem täglichen Börsenhandel entzogen und dadurch schwerer, durch Hacker zu stehlen. Hot Wallets hingegen dienen zur Abwicklung der laufenden Ein- und Auszahlungen. Doch auch diese Maßnahmen konnten im Februar 2014 das Ende der Börse nicht verhindern, als Angreifer insgesamt 650.000 Bitcoins entwenden konnten. Die genauen Umstände sind bis heute unklar, es wird die Beteiligung von Insidern vermutet.
In den Folgejahren haben Kryptobörsen deutlich umfangreichere Sicherheitsmaßnahmen eingeführt, sodass Diebstähle von Kryptowährungen aus gehackten Wallets der Börsen zwar seltener geworden sind, aber bis heute nicht komplett unterbunden werden konnten. Da besonders kleinere Börsen anfällig sind, Opfer dieser Attacken zu werden, sollten Anleger über gute Kenntnisse der Materie verfügen und die Börsen genau prüfen, ehe sie eine direkte Investition in Digitale Assets tätigen. Eine Übersicht über die aktuell größten Börsen wird im folgenden Schaubild aufgezeigt.

Übersicht Crypto-Börsen

Mittlerweile können Investoren aber auch auf verschiedene indirekte Alternativen zurückgreifen, um in Digitale Assets zu investieren. Mehrere Emittenten haben bereits ETFs aufgelegt, welche beispielsweise die Teilhabe an der Wertentwicklung von Cryptos ermöglichen. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, dass Anbieter momentan häufig noch auf Derivate o.Ä. zurückgreifen, anstatt physisch in die eigentlichen Cryptos zu investieren. Der Vorteil dieser Produkte für einen Investor liegt in der einfachen Handhabung eines solchen analogen, traditionellen Fonds. Abwicklungsrisiken wie auch operationelle Risiken tragen in diesem Fall Banken und Wertpapierdienstleister. Auch bieten regionale Börsen (bspw. Börse Stuttgart) zwischenzeitlich Dienstleistungen an, womit über Apps bequem einzelne ausgewählte Token gehandelt werden können.
In einigen Jurisdiktionen sind auch Exchange Traded Notes (ETNs) handelbar. Hierbei handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen, deren Rückzahlungsbetrag sich am Wert des zugrundeliegenden Assets wie beispielsweise dem Bitcoin orientiert. Zu beachten ist hierbei, dass es sich nicht um Sondervermögen handelt, sondern die Rückzahlung auch in Abhängigkeit zur Bonität des Emittenten steht.
Das europäische Investmentrecht beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Thema Digitale Assets und eröffnete jüngst durch etliche Gesetzesänderungen auch institutionellen Investoren neue Möglichkeiten, sich in diesem Bereich zu engagieren. Auf dieses Thema wird in einem der Folgeartikel unserer „Crypto Unchained“-Serie detailliert Bezug genommen. Zuvor soll im kommenden Artikel jedoch die Frage beleuchtet werden, ob man bei Digitalen Assets überhaupt von einer Assetklasse sprechen kann und inwiefern diese zur Beimischung beispielsweise in einem Multi Asset Portfolio sinnhaft sein kann.
Stay tuned...


Ihre Ansprechpartner bei Tresides zu "Crypto"

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Huck, Tobias

Partner, Fondsmanager Renten

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Krauß, Michael

Partner, Senior Fondsmanager Rohstoffe

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Scherhaufer, Felix

Partner, Senior Analyst