Komplexes Umfeld. Klare Entscheidungen.
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Oh my Omikron

29.11.2021

Black Friday Sale im Ölkomplex - Am Freitag, dem 26. November 2021, brach über die Märkte, und insbesondere die Energiemärkte rund um den Ölkomplex, der perfekte Sturm herein. Rohöl und fast sämtliche Destillate wie Gasöl, Benzin und Heizöl verloren deutlich über 10%. Dabei kamen mehrere Faktoren zusammen.

Nach dem Thanksgiving Feiertag in den USA am Donnerstag traf am Freitag - auf einen eher illiquiden Markt - die Nachricht einer neuen Corona-Virusmutation, der Omikron-Variante.

OPEC-Hike

Dies passierte in einer Phase in der vor allem einige europäische Volkswirtschaften wieder über neue Lockdowns nachdenken. 

Im Energiekomplex kam verstärkend hinzu, dass seit einiger Zeit diskutiert wird, ob die Erhöhungspläne der OPEC+ bereits Anfang 2022 zu einem Marktüberschuss führen könnten. 

Zusätzlich haben die USA und diverse „Verbündete“ letzte Woche noch entschieden zwischen Dezember 2021 und Februar 2022 ca. 80 Millionen Barrel aus den strategischen Reserven freizugeben.

Schnell kamen Erinnerungen an das Frühjahr 2020 auf und die logische (?) Konsequenz war ein Abverkauf des Energiemarktes.

Also alles wieder wie gehabt bei Öl? Gloom and Doom? Wir glauben daran nicht unbedingt!

Sicher, die neue Omikron-Variante wird die Märkte einige Zeit in Atem halten. Es sind bislang einfach zu wenige Fakten bekannt.

Trotzdem ist die Situation eine andere als vor 1 ½ Jahren.

Die „Lockdowns“ unterscheiden sich heute deutlich vom Ausmaß und laufen bei weitem auch nicht mehr so stark synchron ab.

Das für uns aber wichtigste Argument ist, dass die OPEC+ sich heute deutlich handlungsfähiger und –williger zeigt als im März 2020. Zur Erinnerung, damals zettelte die OPEC+ mit ihrer „pump at will“ (frei: „produziert / macht doch was ihr wollt“) Strategie mitten im größten Nachfrageschock einen Preiskrieg an. Zwischenzeitlich hat die OPEC+ deutlich zu einer Bereinigung des Marktes und der übervollen Lager beigetragen.

 
Von der technischen Seite gesehen, hat das „vordere Ende“ der Terminkurve zwar etwas stärker gelitten als das „hintere Ende“, trotzdem war es im Großen und Ganzen eine Parallelverschiebung nach unten. D.h., die Terminkurven befinden sich immer noch in einer anständigen „Backwardation“.

WTI Terminkontrakte in USD, 24 Monate (Jan 2022 bis Dez 2024); Stand: 24./26.11.2021 Quelle: Tresides
WTI Terminkontrakte in USD, 24 Monate (Jan 2022 bis Dez 2024); Stand: 24./26.11.2021
Quelle: Tresides

Wir vermuten vielmehr, dass der Preissturz vom letzten Freitag den OPEC+ Mitgliedern als willkommener „Casus Belli“ dienen könnte. Nämlich als Grund, warum die geplanten Produktionserhöhungen für Januar und Februar 2022 auszusetzen sind.
Somit könnte der „schwarze Freitag“ in Wirklichkeit eher ein „Black Friday Sale“ US-amerikanischer Prägung gewesen sein. Nämlich eine günstige Gelegenheit, Öl (bzw. Rohstoffe) mit einem deutlichen „Rabatt“ zu erwerben.

Einen ersten „Fingerzeig“, ob wir mit dieser Einschätzung richtig liegen, wird es bereits diese Woche geben, wenn sich die OPEC+ zu ihren monatlichen Beratungen trifft.


Oh my Omikron

Bachofer, Sandra

Fondsmanagement- Fondsmanagerin Rohstoffe

Oh my Omikron

Krauß, Michael

Fondsmanagement- Partner, Senior Fondsmanager Rohstoffe