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"A Tale of Two Commodities" ..... oder: Die Sache mit den Eiern und dem Korb

05.03.2021

Charles Dickens‘ berühmter Romanbeginn hat bei den Rohstoffmärkten irgendwie immer Konjunktur. In den letzten beiden Tagen gab es aber einige Marktbewegungen, nämlich bei Öl und Nickel, die dies in besonderer Weise herausstellten, und zudem gute Argumente lieferten, warum es auch bei Rohstoffen Sinn macht „nicht alle Eier in einen Korb zu legen“.

„It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness…”. [1]


Aber der Reihe nach:


Der Tresides Commodity One (TCO), unser long-only Rohstoff-Fonds, wählt quartalsweise aus seinem 18er Universum 12 Rohstoffe aus. Rohstoff-Fonds im Allgemeinen haben naturgemäß eine sehr begrenzte Auswahlmöglichkeit (im Vergleich bspw. zu einem Aktienfonds). Trotzdem stehen dem TCO mit Energie, Basis- und Edelmetallen, sowie Soft Commodities (Agrarrohstoffe ohne Grundnahrungsmittel) immerhin vier Sektoren zur Verfügung. Es kommt aber immer wieder vor, dass manchen Investoren selbst diese Diversifikation noch zu groß ist, hätten Sie doch gerne mehr Energie, oder zu einem anderen Zeitpunkt am liebsten nur Edelmetalle. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass das dem Fonds zugrunde liegende Selektionsmodell große Freiheiten genießt, und bspw. die Energiequote bei den quartalsweisen Neuanpassungen historisch Bandbreiten von 10% bis hin zu 51,6% aufgewiesen hat (siehe Abbildung 1).

Abb1: Historische Quotenverteilung pro Sektor im TCO, Stand 07.01.2021    Quelle: Tresides

Dabei war unsere Energiequote für den nicht vorhersehbaren Covid-Schock im 1. Quartal 2020 zu hoch.[3] Jedoch hat die starke Selektion in Basis- und Edelmetallen im restlichen Jahr zur erfolgreichen Aufholjagd gegen unseren Vergleichsindex beigetragen (siehe Abbildung 2).

Abb2: TCO vs. Vergleichsindex, 31.12.2019 bis 03.03.2021           Quelle: Bloomberg, Tresides

Anfang 2021 hat dann das Energiegewicht einen starken Sprung auf knapp 32% gemacht (siehe Abb. 1, 3a und 3b). Damit wurde erstmals seit 2019 der Sektor Basismetalle um mehr als 10%-Punkte bei einem Neuallokationstermin („Roll“) reduziert. Ausgerechnet der Sektor, dem einige Kommentatoren bereits einen neuen „Superzyklus“ vorhersagen. Das gefühlte „Schmuddelkind 2020“, nämlich Energierohstoffe, wurde hingegen plötzlich stärker gewichtet. Dass Risikodiversifikation aber sinnvoll ist (bzw. nicht alle Eier in einen Korb zu legen sind), haben in dieser Woche Nickel (und auch Zinn), sowie die Energieträger (v.a. Rohöl) eindrucksvoll bewiesen.

Abb3a: TCO Einzelgewichtung Q1 2021                   Abb3b: TCO Sektorengewichtung Q1 2021            Quelle: Tresides

Aber zurück zu den beiden Cities äh… Commodities:


Nickel:
Ein Grund warum Nickel immer wieder mit einem „Rohstoff-Superzyklus“ in Verbindung gebracht wird, liegt in seiner Bedeutung für die Elektromobilität und insbesondere für die Kathoden der Batterien.[4] Dabei ist nur hochwertiges Nickel, sogenanntes „Class 1 Nickel“, mit einer Reinheit von mind. 99,8%, für die Batterieerzeugung geeignet. Dies ist auch das Nickel, dass an derLME[5] gehandelt wird, und über unseren Index und die zugrunde liegenden Future-Kontrakte im TCO zum Einsatz kommt. Dieses Nickel macht ca. 25% des gesamten Nickelangebotes aus. Auf der anderen Seite kann z.B. nicht ganz so hochwertiges Nickel, sogenanntes „Nickel Pig Iron“ (NPI), für die Erzeugung von rostfreiem Stahl verwendet werden.
So ist es nicht verwunderlich, dass Nickel vom Tief im März 2020 bis zum Hoch im Februar 2021 über 81% zulegen konnte (siehe Abbildung 4). Immerhin ein 6-Jahreshoch.

Abb4: Nickel in USD, seit 2014                     Quelle: Tresides

Am 3. und 4. März 2021 hat Nickel dann plötzlich über 15% verloren. Das ist der größte 2-Tagesverlust in über einer Dekade. Was ist passiert?
Tsingshan[6], der größte rostfreie Stahlproduzent - der im Übrigen auch „Nickel Pig Iron“ (NPI) 2007 „erfunden“ hat – erklärte, dass er einen Weg gefunden habe NPI in ein Zwischenprodukt zu transformieren, dass am Ende in batteriefähiges Nickel raffiniert werden kann.[7] Obwohl sicherlich noch einige Hürden bis dahin zu nehmen sind, hat eben diese Meldung die heftige Marktreaktion ausgelöst.
Zwei Tage zuvor kam übrigens bereits Zinn von seinem 10-Jahreshoch deutlich zurück. Gut, dass unser Tresides Commodity One auch noch andere Segmente beinhaltet, bspw. Energierohstoffe und hier v.a. Rohöl.

Rohöl:
Die OPEC+ hat mal wieder getagt. Immer wieder ein schöner Anlass für so manche Überraschung.[8] Dieses Mal aber zur Abwechslung eine positive. Was ist passiert?
Allgemein wurde angenommen, dass Saudi-Arabien seine „freiwillige Extra-Kürzung“ (zusätzlich zu den beschlossenen quotalen OPEC+ Kürzungen) in Höhe von 1 Million Barrel pro Tag (mbpd) wieder zurück nimmt, und die OPEC+ als Gesamtkartell ebenfalls die Produktion um weitere („nur“) 0,5 mbpd erhöht. Dies war eigentlich für den Rohöl-Sektor schon ein sehr positives Szenario und hätte den Ölmarkt in den nächsten Monaten im Defizit gehalten und einen weiteren Lagerabbau begünstigt. Die Erwartung wurde dadurch gestützt, dass sich zum einen die Preise wieder deutlich erholt hatten (siehe Abb. 5) - ebenso die Terminkurven[9] - und zum anderen sich die US-Fracking-Industrie - als Hauptkonkurrent um Marktanteile - nach dem Horror-Jahr 2020 doch deutlich zurück hält.

Abb5: WTI und Brent, Spot in USD, seit 1.1.2020 bis 04.03.2021        Quelle: Tresides

Diese Zurückhaltung ist nicht nur am RIG-Count (also der Aktivität der gegrabenen Bohrlöcher) gut abzulesen, sondern auch am sogenannten FRAC-Spread-Count, der zählt, wieviel Förderteams (Frac Spreads/Units) gerade wirklich Öl und Gas fördern (siehe Abb. 6).[10] Nachdem auch einige Driller sehr zurückhaltende Pläne für 2021 vorgelegt hatten, sah sich die OPEC+ wohl in der Lage, daraus Kapital zu schlagen. Folglich überraschte Saudi-Arabien mit der Ankündigung, die „freiwillige Extra-Kürzung“ auch im April 2021 beizubehalten, sodass die OPEC+ insgesamt die Förderung nur um 150.000 Barrel pro Tag[11] erhöht. Damit blieb die Rücknahme der Förderkürzungen sogar noch deutlich unter den positivsten Erwartungen.

Abb6: Frac Spread, Jan 2020 bis 05. März 2021             Quelle: Tresides

Die Folge war, dass Rohöl (WTI und Brent) von bereits ordentlichen Preisniveaus aus, nochmals knapp 8% nach oben schossen. Auch hat sich die Backwardation am vorderen Ende deutlich ausgeweitet.[12]
Gut, dass unser Tresides Commodity One auch Energierohstoffe beinhaltet.

Fazit:
Vielleicht kann man Charles Dickens‘ finale Worte („It is a far, far better thing that I do, than I have ever done; it is a far, far better rest that I go to than I have ever known”) aus seinem Buch frei so übersetzen, dass in die komplexe Assetklasse Rohstoffe am besten mit einem regelgebundenen, gut diversifizierten und sich dennoch quartalsweise an neue Gegebenheiten anpassenden Fonds investiert wird. Mit dem Tresides Commodity One haben wir hier ein Top-Produkt im Angebot.

Ihr Tresides Rohstoff-Team

Stand: 05.03.2021

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Bachofer, Sandra

Fondsmanagement  -  Fondsmanagerin Rohstoffe

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Krauß, Michael

Fondsmanagement  -  Partner, Senior Fondsmanager Rohstoffe

 

 

Fußnoten: 
  1) “A Tale of Two Cities“, 1859, Charles Dickens
  3) Siehe dazu auch die 2. Ausgabe des Tresides Rohstoff-Blättle „Covid-19“.
  4) Siehe bspw.: Battery Raw Materials, UBS Global Research & Evidence Lab, 4. März 2021
  5) London Metal Exchange
  6) Tsingshan Holding Group Co Ltd; „Tsingshan“ bedeutet übrigens „Green Mountain“ bzw. “Grüner Berg“.
  7) Stark vereinfacht dargestellt.
  8) Siehe auch: „Die Hütchenspieler“ und „Oh, Mai – what happened in /dʌbljuː/tiː/aɪ/ (WTI)?“.
  9) Die Ölterminkurven befinden sich wieder in mustergültiger Backwardation.
10) Der Einbruch im Feb 2020 geht auf den überraschend starken Kälteeinbruch in Texas zurück.
11) 130 kbpd Russland, 20 kbpd Kasachstan.
12) Zur Bedeutung von Backwardation hoffentlich bald mehr im 3. Teil unserer erfolgreichen Comic-Reihe „Rohstoffe kinderleicht erklärt“. Siehe Teil 1 „Vorsicht vor der Contango-Falle“ und Teil 2 „Im Auge des Super-Contango“.