Komplexes Umfeld. Klare Entscheidungen.
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Die EZB liefert wieder, aber…

11.12.2020

Die in der Sitzung des EZB-Rats am 10.12.2020 beschlossenen geldpolitischen Maßnahmen unterstreichen den weiterhin stark expansiven Kurs der Zentralbank und stimmen im Gros mit den Erwartungen der Marktteilnehmer überein. Dabei gab es in Bezug auf die Leitzinsen der EZB sowie bei den Zinssätzen für die gezielten, langfristigen Finanzierungsgeschäfte (TLTROs) keine Veränderungen. Ebenso unverändert bleibt das monatliche Ankaufvolumen (20 Mrd. EUR) im Rahmen des seit 2015 laufenden Anleiheankaufprogramms (Asset Purchase Programme; APP). Eine maßgebliche Erhöhung wurde jedoch bzgl. des als Reaktion auf die Coronakrise aufgelegten Sonderankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme; PEPP) beschlossen. Dieses Programm wurde um 500 Mrd. EUR auf 1,85 Bio. EUR erhöht und soll bis mindestens März 2022 andauern. Die aus diesem Programm hervorgehenden Fälligkeiten sollen darüber hinaus bis Ende 2023 in vollem Umfang reinvestiert werden. Die folgende Abbildung zeigt die bisherige Entwicklung dieses Sonderankaufprogramms.

Volumenentwicklung des EZB-Sonderankaufprogramms „PEPP“ seit März 2020

Als Anreiz für Geschäftsbanken, die Kreditvergabe weiter zu gewährleisten, wurden drei weitere TLTROs verkündet. Überdies wurden die hierfür vergünstigten Konditionen bis Ende 2022 verlängert und die jeweilige Maximalsumme der Mittel, welche über diese Geschäfte durch Geschäftsbanken bezogen werden kann, von 50% auf 55% der jeweils anrechenbaren Kredite angehoben.

Diese Maßnahmen - nicht zuletzt auch motiviert durch die leicht reduzierte Inflationsprognose der EZB für die kommenden Jahre - zeigen, dass auch in Zukunft für die Eurozone mit einer stark expansiven geldpolitischen Ausrichtung und dadurch mit anhaltend niedrigen Zinsen zu rechnen ist. Wir gehen insbesondere bei Unternehmensanleihen zunächst mit weiteren Rückgängen der Bonitätsaufschläge und reger Nachfrage für die im Januar beginnende Neuemissionswelle aus.

ABER: Es bleibt aus jetziger Sicht unklar, inwieweit ein Abklingen der derzeitigen fiskalpolitischen Maßnahmen im Laufe des kommenden Jahres auf die Realwirtschaft durchschlägt. Insbesondere der erwartete Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie der Insolvenzen könnten im kommenden Jahr für erhöhte Volatilität an den Rentenmärkten sorgen. Europäische Anleihen dürften angesichts der Anlagenot vieler institutioneller Investoren, wie Versicherungsgesellschaften, die ihre jährlichen Beitragszahlungen erhalten und anlegen, im ersten Quartal unterstützt bleiben. Doch bereits im zweiten Quartal des kommenden Jahres sehen wir Potential für höhere Schwankungen, insbesondere bei Anleihen im längeren Laufzeitbereich sowie bei Papieren aus dem Non-Investmentgrade-Universum. Aus diesem Grund werden wir unsere eher offensive Ausrichtung zwar zunächst beibehalten und rege an Emissionen teilnehmen - allerdings nicht auf Dauer und schon gar nicht um jeden Preis.