Der Begriff K-shaped Economy beschreibt eine wirtschaftliche Erholung oder Entwicklung, bei der unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, Branchen oder Vermögensklassen sich divergent entwickeln: Ein Teil der Wirtschaft wächst und gewinnt (der obere Balken des K), während ein anderer Teil stagniert oder schrumpft (der untere Balken). Der Begriff wurde besonders im Kontext der Corona-Erholung ab 2020 populär, als Technologie- und Kapitalmärkte stark zulegten, während untere Einkommensschichten, kleine Unternehmen und bestimmte Dienstleistungssektoren zurückblieben.
Für die Portfoliokonstruktion ist das Konzept relevant, weil es aggregierte Makrodaten wie GDP-Wachstum oder Konsumausgaben in ihrer Aussagekraft relativiert. Ein solides BIP-Wachstum kann verdecken, dass die Gewinne stark auf Vermögensbesitzer und bestimmte Sektoren konzentriert sind, während breite Konsumentenschichten unter Druck stehen. Das hat direkte Implikationen für die Sektorallokation: Luxusgüter, Premium-Konsum profitieren tendenziell vom oberen Ast, während Discounter, Basiskonsumgüter und stark lohnabhängige Dienstleister eher den unteren Ast abbilden.
Der Begriff überschneidet sich thematisch mit der zuvor besprochenen Ghost-GDP-These, da beide Konzepte eine Entkopplung zwischen aggregiertem Wachstum und breiter Wohlstandsverteilung beschreiben. Während Ghost GDP den KI-getriebenen Mechanismus dieser Entkopplung fokussiert, ist K-shaped Economy der etabliertere, empirisch besser belegte Oberbegriff für das Phänomen selbst, unter anderem gestützt durch Daten zu Konsumausgaben nach Einkommensdezilen und Vermögenskonzentration, wie sie etwa von der Federal Reserve oder dem Bureau of Economic Analysis veröffentlicht werden.