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Europäische Unternehmen trotzen der Konjunkturschwäche

21.08.2026

Europäische Unternehmen trotzen der Konjunkturschwäche
Europäische Unternehmen trotzen der Konjunkturschwäche

Trotz schwacher Konjunktur haben sich europäische Unternehmen im zweiten Quartal 2026 überraschend robust entwickelt und profitieren insbesondere von strukturellen Investitionen in Digitalisierung, Verteidigung, Energieinfrastruktur und Datenzentren. Steigende Gewinnschätzungen und starke Auftragseingänge stützen den positiven Ausblick für europäische Aktien, insbesondere für zyklische Branchen wie Industriegüter.

Die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer an die Berichtssaison der europäischen Unternehmen zum 2. Quartal 2026 war angesichts des äußerst moderaten Wirtschaftswachstums in Europa von Vorsicht geprägt. Die seit März mit dem Beginn der Iran-Krise rapide ansteigenden Öl- und Gaspreise belasteten das ohnehin bereits schwache Konsumentenvertrauen zusätzlich, sodass zahlreiche makroökonomische Indikatoren für Europa die Hoffnung auf eine Wachstumsbelebung nicht erfüllen konnten. Dies reflektierte der Citi Economic Surprise Index (CESI), der wiedergibt, ob offizielle Wirtschaftsdaten besser oder schlechter ausfallen als die Erwartungen der volkswirtschaftlichen Analysten. Der CESI für den Euroraum brach im März massiv ein und bewegte sich das komplette 2. Quartal über im negativen Terrain, bevor im Juli eine markante Gegenbewegung einsetzte. Das US-amerikanische Pendant bewegt sich hingegen bereits seit über einem Jahr im positiven Terrain (siehe Abbildung 1).

Abb 1.: Citi Economic Surprise Index für die Eurozone und die USA | Quelle: Eigene Berechnungen, Tresides.
Abb 1.: Citi Economic Surprise Index für die Eurozone und die USA | Quelle: Eigene Berechnungen, Tresides.

In diesem schwierigen konjunkturellen Umfeld konnten sich die börsennotierten Schwergewichte aus dem STOXX Europe 600 sowohl umsatz- als auch ergebnisseitig sehr gut behaupten (siehe Abbildung 2). Dabei profitierten sie bei den Umsätzen von der verstärkten Suche Europas nach Sicherheit, Resilienz und strategischer Autonomie angesichts zunehmender geopolitischer Risiken, US-Zollbedrohungen und chinesischem Wettbewerb. Dies verstärkt derzeit den allgemeinen Investitionszyklus in Digitalisierung, Verteidigung, Energiesysteme und -netze sowie sichere logistische Lieferketten, welcher aus Staatsgeldern und unternehmerischen Cash-Flows finanziert wird. Dieser strukturelle Investitionszyklus überlagert den Einfluss des volkswirtschaftlichen Wachstums derzeit deutlich. Zusätzlich profitieren inzwischen zahlreiche Branchen von den gigantischen Investitionen in Datenzentren, die auch in Europa nun signifikante Größenordnungen ausmachen. Bei den Gewinnen können die Unternehmen dank strenger Kostendisziplin sowie nachlassendem Gegenwind von der Währungsseite die steigenden Energiekosten bis dato noch kompensieren. Das Gewinnwachstum von rund 25% wird allerdings überwiegend von Unternehmen aus den Sektoren Energie, Finanzen, Industriegüter und Technologie getragen, während Unternehmen aus konsumnahen Sektoren kaum von den genannten strukturellen Wachstumstreibern profitieren.

Abb 2.: Umsatz- und Gewinnschätzungen für das 2. Quartal mehrheitlich übertroffen | Quelle: J.P.Morgan.
Abb 2.: Umsatz- und Gewinnschätzungen für das 2. Quartal mehrheitlich übertroffen | Quelle: J.P.Morgan.

Neben diesen überraschend starken Quartalsberichten fiel auch der Blick vieler Unternehmen in die Zukunft durchaus optimistisch aus. Dies lässt sich besonders gut an den Veröffentlichungen der Unternehmen aus dem Bereich Industriegüter ablesen, die neben Umsatz- und Ergebniszahlen auch quartalsweise Auftragseingänge veröffentlichen. Da Deutschland und Schweden als klassische europäische Vertreter in dieser Branche gelten und zudem die Berichterstattung der Unternehmen hier besonders transparent ist, lohnt sich der Blick auf deren Daten besonders. Diese zeigen für das 2. Quartal nicht nur sehr robuste Wachstumsraten bei den Auftragseingängen, sondern in vielen Fällen sogar eine spürbare Wachstumsbeschleunigung im Vergleich mit den Wachstumsraten aus den Vorquartalen (siehe Abbildung 3).

Abb 3.: Entwicklung der Auftragseingänge im Vorjahresvergleich | Quelle: Eigene Berechnungen, Tresides, Unternehmensdaten.
Abb 3.: Entwicklung der Auftragseingänge im Vorjahresvergleich | Quelle: Eigene Berechnungen, Tresides, Unternehmensdaten.

* Bei Siemens vom Kalenderjahr abweichende Berichtsquartale

Trotz fehlender konjunktureller Impulse steigen somit die Gewinnschätzungen der Analysten für die Unternehmen aus dem STOXX Europe 600 in den letzten Wochen spürbar an und unterstützen somit die positive Entwicklung am europäischen Aktienmarkt. Die positiven Gewinnrevisionen der Analysten für Aktien aus dem Euroraum haben es in den letzten Wochen sogar geschafft, mit den vom KI-Boom getragenen Revisionen in den USA Schritt zu halten (siehe Abbildung 4). Die erwarteten Gewinnsteigerungen von 17% für 2026 und 10% für 2027 sichern die Rekordhochs am europäischen Aktienmarkt fundamental gut ab und untermauern das im historischen Vergleich überdurchschnittliche Bewertungsniveau mit einem KGV von 15. Entsprechend bleiben wir optimistisch für europäische Aktien und halten an unserer Übergewichtung fest mit einem besonders konstruktiven Blick auf zyklische Branchen wie Industriegüter. Ein weiterer Zinsanstieg könnte allerdings ein Risiko für die Aktienbewertungen darstellen.

Abb 4.: Revisionen der Gewinnschätzungen für den Euroraum und die USA | Quelle: J.P.Morgan.
Abb 4.: Revisionen der Gewinnschätzungen für den Euroraum und die USA | Quelle: J.P.Morgan.

Der verantwortliche Fondsmanager:

Berndt Maisch
Partner, Senior Fondsmanager
Maisch, Berndt
Maisch, Berndt

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